Grußwort zum Tag der Franken 2012 am 7.7.2012 in Schwabach
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Seehofer ,
sehr geehrter Herr Bezirkstagspräsident Bartsch,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Thürauf, liebe Festgäste, Als Schwabacherin und begeisterte Fränkin freue ich mich besonders, dass der „Tag der Franken“ heute bereits zum 7. Mal gefeiert wird – mit tollem Motto „Frauen in Franken“.
Nicht, weil wir Franken uns so wichtig nehmen und deswegen einen eigenen Feiertag bräuchten – nein! In einer globalisierten Welt, in der uns London, Paris und Rom fast so vertraut sind wie München, Würzburg oder Bayreuth, gewinnt die Heimatregion eine immer größere Bedeutung.
Auch deswegen ist ein Tag der Franken gut und sinnvoll. Ich spreche heute für die fränkischen Vereine und Organisationen, insbesondere für den Fränkischen Bund, den Frankenbund und die Fränkische Arbeitsgemeinschaft, aber auch für andere Vereine wie Sänger, Trachtler, Geschichts- und Heimatvereine, die sich auf dem Martin-Luther-Platz präsentieren.
Für uns, die sich Franken, seiner Geschichte, Tradition und Brauchtum beson-ders verbunden fühlen, ist es nach wie vor eine große Freude, dass es diesen Festtag gibt. Im Namen der fränkischen Vereine und Organisationen heiße ich Sie herzlich willkommen.
Herr Oberbürgermeister Thürauf, ich muss Sie heute ausnahmsweise mal lo-ben: Sie wissen, die Frankenfahne ist heute ein „Muss“ und Sie haben sie ge-hisst! Wenn es allerdings nach Ihren Beamten in der Staatsregierung in München gegangen wäre, Herr Ministerpräsident Seehofer, dürfte nach wie vor keine Frankenfahne wehen.
Auch hier wird wieder mal deutlich: Die Bayern verstehen die Franken einfach nicht! Verehrte Gäste, Die Planer des heutigen Festtages haben ein vielversprechendes Motto gefun-den: „Frauen in Franken“. Es ist spannend, welche und wie viele starke, inter-essante Frauen es in Franken gab und gibt.
Ich habe exemplarisch zwei herausgreifen, die fast genau 200 Jahre getrennt voneinander für Franken gewirkt haben. Beide haben sich, obwohl sie schwere Zeiten durchmachen mussten, nicht ihrem Schicksal ergeben, sondern haben für ihre Ziele und Visionen erfolgreich gekämpft: Das ist zum einen Wilhelmine von Preußen : 1709 geboren – sie war die älteste Tochter des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I.
Ursprünglich sollte sie Königin von England werden, wurde aber durch Heirat dann „nur“ Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth. Sie malte, schrieb, komponierte und…baute; nämlich im Jahr 1748 das Markgräfliche Opernhaus von Bayreuth, das atemberaubendste Theater ihrer Zeit.
Dieses ist seit wenigen Tagen UNESCO-Weltkulturerbe.
Die zweite Frau, die ich herausgreifen will, ist Käte Strobel 1907 in Nürnberg geboren – Sie wird erste fränkisch und auch bayerische Mi-nisterin in einem Bundeskabinett: am 1. Dezember 1966 wird Käthe Strobel Bundesministerin für Gesundheitswesen in der von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geführten Bundesregierung der Großen Koalition.
Käthe Strobel war nicht nur Ministerin in einem Bundeskabinett; sie war auch Mitglied des Europäischen Parlaments, dort zwei Jahre Vorsitzende der Soziali-stischen Fraktion, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Ein – heute sehr passendes – Zitat von ihr ist überliefert: „Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte.“
Und damit wende ich mich an Sie, Herr Ministerpräsident Seehofer: Wir Franken sind nicht neidisch auf München oder Oberbayern! Wir haben auch schweren Herzens akzeptieret, dass Dürers Selbstbildnis nicht nach Nürnberg ausgeliehen wurde.
Aber: Wir erwarten, dass unsere Anliegen ernst genommen werden. Wir freuen uns mit Eichstätt und Pfaffenhofen über niedrige Arbeitslosenzahlen von unter 3%
Aber: 7,5% Arbeitslosigkeit in Nürnberg ist zu viel – Wir brauchen auch in Fran-ken Arbeitsplätze. Wir haben in München eine weltweit anerkannte Forschung und Lehre – u.a eine hervorragende TU – und das ist gut so!
Aber: Fördern Sie ebenfalls angemessen Hochschulen und Forschung in Fran-ken – eine TU in Nürnberg ist überfällig!!! Wussten Sie eigentlich, dass Schwabach die einzige kreisfreie Stadt in Bayern ist, die kein Hochschulstandort ist?
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, verehrte Gäste, Sie können sicher sein, diese politischen Forderungen bleiben auf der Agenda – wir Franken werden nicht müde, weiter zu bohren!
Damit Ihnen, verehrter Herr Ministerpräsident, Franken auch weiterhin im Sinn und im Blick bleibt, möchte ich Ihnen ein Geschenk überreichen: Heute bekommen Sie die Urkunde über die „Geburtsstunde Frankens“ am 2. Juli 1500.
Damals wurde das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ in sechs Kreise eingeteilt; der „erst und furnembst“ – wie auf der Urkunde wörtlich zu lesen ist – war der fränkische Kreis. Dieser hatte über 300 Jahre Bestand – ja, bis die Franzosen Franken – quasi als Kriegsbeute – an Bayern verschenkt haben.
Mögen Sie mit diesem Bild das ganze Jahr über Franken im Blick und im Sinn behalten. Verehrte Gäste,
Ihnen allen noch einen kurzweiligen, interessanten Tag bei uns in Schwabach / bei uns in Franken.