Tag der Franken 2010
Kulmbach 3. Juli 2010 Rede des Vorsitzenden der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft Dr. Helmut Ritzer Landtagsvizepräsident a.D.
Sperrfrist 03.07.10 11.00 Uhr
Anrede, hochgeschätzte Festversammlung, mit dem 5. Tag der Franken feiern wir ein kleines Jubiläum, wir sind weit gekommen, wer hätte das vor fünf Jahren in Nürnberg bei der ersten Veranstaltung gedacht. Für die fränkischen Organisationen, für die ich hier spreche, ist dies eine große Genugtuung: es ist gelungen, was sich viele erträumt haben.
Wir Franken feiern selbstbewusst und fröhlich uns selbst, unsere Landschaften und unsere Geschichte: ohne Pathos und ohne peinliche „Frankentümelei“. Herzlichen Dank allen, die mit ihrem Engagement dies möglich gemacht haben.
Ein dankbarer Blick zurück, ein kritischer nach vorn. Es muss darüber gesprochen werden, was wir mit diesem Tag erreichen wollen. Nach dem einstimmigen Landtagsbeschluss vom 18.Mai 2006 soll vor allem aufgrund eines vielfältigen Engagements aus der Bevölkerung ..an Brauchtum und Geschichte der fränkischen Region erinnert und zugleich das Bewusstsein für die Entwicklungskraft und das Innovationspotenzial Frankens gestärkt werden.
Aber, wer wird eingebunden ? Sind wir nicht drauf und dran, Mittel- Ober- und Unterfrankentage zu feiern? Ein selbstkritischer Blick auf die fünf Tage der Franken zeigt, dass inzwischen jeder Bezirk „seinen“ Tag fest verteidigt, Vorbereitungsgespräche gibt es kaum noch, gesamtfränkische Beteiligungen, etwa der Universitäten, der Metropolregion, der großen Vereine und Verbände fehlen.
Durch die relativ kurzfristig festgelegten Veranstaltungsorte und –programme sind viele Organisationen nicht mehr in der Lage, sich auf den Frankentag einzulassen. Musikverbände planen halt langfristig… Wir schlagen deshalb erneut einen Gesprächskreis oder Beirat vor, der diese Fragen mit den Bezirken und der Landespolitik erörtert.
Das im Landtagsbeschluss als Koordinator genannte Haus der bayerischen Geschichte hat sich nach meiner Kenntnis klammheimlich verabschiedet. Auch übers Geld müssen wir reden, Herr Dr. Denzler hat recht, dass der für die erste Veranstaltung zwischen mir und dem damaligen Vorsitzenden des Haushaltsausschusses Manfred Ach verabredete Zuschuss von 20000 € nicht ausreicht für ein anspruchsvolles Programm.
Wir wollen, dass der Tag der Franken auch ein Tag der fränkischen Geschichte ist. So steht es ja auch im Landtagsbeschluss. Nur für ein fränkisches Geschichtsbewusstsein reicht ein Tag nicht aus. Wir fordern deshalb mehr Geschichtsunterricht an den Schulen, natürlich nicht nur in Franken, den Altbaiern und Schwaben tut das auch gut.
Und wir wollen jetzt endlich eine Landesausstellung zum fränkischen Reichskreis, meinetwegen zu allen bayerischen und angrenzenden Reichskreisen, um diese über Jahrhunderte funktionierenden und das Deutsche Reich tragenden Institutionen ins Bewusstsein der Menschen zu bringen.
Noch ein paar Bemerkungen zum Fahnenstreit. Die Frankenfahne mit dem Rechen ist ein fränkisches Kultursymbol. Darauf sollte auch Bayern stolz sein, schließlich ist der Frankenrechen ein Teil des bayerischen Staatswappens.
Warum soll dieses Symbol zu festlichen Anlässen nicht an Staatsgebäuden wehen ? König Ludwig I. hat diesen Frankenrechen als gemeinsames Zeichen für alle Franken eingeführt, als kulturelles Symbol, der wollte doch nicht das relativ junge Königreich Bayern damit in Frage stellen.
Und jetzt wird die bayerische Verfassung als Verbotsgrund benannt, weil in Artikel 1 die bayerischen Farben als weiß-blau beschrieben sind. Als ob das jemand ändern wollte. Bayern ist ein Kulturstaat, das steht in Artikel 3, dort steht auch, der Staat schützt die kulturelle Überlieferung, ja dann tut es doch endlich.
Natürlich auch noch ein Wort zur Beutekunst.. Mit Blick auf die Zeit mit einem Zitat: „Einem Freistaat, der sich wie kein zweites Land für föderale Strukturen stark macht, stünde eine Abkehr vom bestehenden altbayerischen Kulturzentralismus gut an, auf dass jene Dinge wieder nach Franken kämen, die auch dorthin gehören.“ Soweit Günther Beckstein in seinem Buch „Franken, mein Franken“, im Buchverlag des „Fränkischen Tags“ hier in Kulmbach erschienen.
Und weiter steht da: „Eine Rückführung fränkischer Beutekunst nach Franken wäre ein Zeichen für die längst vollzogene und allen Friktionen zum Trotz gut gelungene Integration der Franken in das bayerische Ganze.“ Verpasste Chance, zu kurz im Amt, aber vielleicht bringen solche Gedanken, Herr Ministerpräsident, doch etwas Bewegung in verhärtete Fronten. Dann würde der Tag der Franken sein Ziel erreichen. eine Änderung des Bewusstseins auf allen Seiten.
Das Buch von Günther Beckstein als Geschenk zum morgigen Geburtstag. Grün verpackt, nicht rot-weiß. Grün ist die Farbe der Hoffnung.