Leserecho zu unserer Neuerscheinung „Bacchus küsst Franken – Aspekte einer europäischen Weinlandschaft“

„Wem das Herz voll ist, dem geht mitunter schnell der Mund über vor allem dann, wenn er zu tief ins mit Wein gefüllte Glas schaut. Gerade mit der Kulturregion Franken geht dieses Getränk eine Identität stiftende Symbiose ein, die zu einem Aushängeschild der Region geworden ist. Insoweit ist man längstens in gute Gesellschaft mit den großen europäischen Spitzenlagen gelangt, was dem eigenen Selbstverständnis auch in anderer Hinsicht dienlich sein kann. Dem allen trägt die Fränkische Arbeitsgemeinschaft einmal mehr mit einer Franken in den Fokus rückenden Broschüre Rechnung, und nachdem hier nicht nur wissenschaftlich weise eine Botschaft unter die Leserschaft getragen wird, sondern gleichzeitig auch ein mit dem Wein verbundenes Lebensgefühl zur Verbreitung gelangt, was sich letztlich auch in einer ästhetisch attraktiv gestalteten Heft äußert, sind eigentlich alle Sinne angesprochen. Gerade das mit diesem Getränk verbundene Lebensgefühl sollte man nicht unterschätzen, wird doch den Weinbauregionen immer wieder nachgesagt, dass die hier lebenden Menschen in sich selber ruhen, was darin zum Ausdruck kommt, sich an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen und gleichzeitig die Fragestellungen des Alltags im Blick zu behalten. Gerade Ersteres sollte beim Weinkonsum Richtschnur sein, was nicht selten vor dem Hintergrund einer zum Kulturevent stilisierten Weinästhetik zu kurz kommt mit dem Ziel, diesem Geschehen einen elitären Charakter beizulegen. Freude und Genuss lässt sich jedenfalls auch ohne übertriebene Zelebration empfinden. Dr. Dr. Gerhard Seibold, Crailsheim (regelmäßiger Weintrinker, Weingärtnernachkomme und stolzer Besitzer von Weinbergen)

Wolfgang Wüst (Hg.) mit Marina Heller, Paulus Schneider (†) und Sabine Wüst, Bacchus küsst Franken – Aspekte einer europäischen Weinbaulandschaft (Schriftenreihe der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft 6), St. Ottilien 2021. Mit Karl dem Großen fängt die Geschichte des fränkischen Weinbaus an. 777 schenkte der spätere Kaiser dem Reichskloster Fulda Weingüter im unterfränkischen Hammelburg. Auch die weinhistorische Expedition, die Wolfgang Wüst und sein Team durch Franken unternehmen, beginnt mit diesem Schlüsseldatum. Ihre Zeitreise macht dann an bislang unbeachteten Stellen halt; sie fördert daher viele neue Forschungserkenntnisse zutage, etwa in wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht: Oft diente das flüssige Gold als Geldersatz für die Kapital- und Kreditwirtschaft, insbesondere im Fall der Klöster, die so ihre ökonomische Stabilität langfristig absichern konnten. Um den Weinbau gruppierte sich zudem ein hochdifferenziertes Gewerbe von technologischen Zulieferern wie den Küfnern oder jenen Experten, die önologisches Wissen in Handbüchern aller Art sammelten. Wie beliebt und auf welch reich sortiertes Angebot aus fränkischen, rheinischen, italienischen und französischen Provenienzen der regionale Konsum zurückgreifen konnte, zeigt sich an den vielfach erhaltenen Rechnungen, mit denen Patrizier, Prälaten oder die Markgrafen ihren beachtlichen Weinverzehr beglichen. Dass Würzen, Anreichern und Strecken des Getränks (das „Panschen“) häufige – gar nicht einmal übel beleumundete – Praxis war, beweist eine im Anhang abgedruckte „Kellermeisterey“ von 1563. Es ist das besondere Verdienst der reich illustrierten Broschüre, diese bislang übersehenen Quellen ans Licht zu holen. Doch nicht nur das: Auch das bacchantische Wesen des Weins – gleichermaßen belebend wie betäubend – kommt zur Sprache, mit anschaulichen Belegen aus der antiken Mythologie oder der medizinischen Gelehrsamkeit aller Jahrhunderte. Und natürlich darf das Lokalkolorit nicht fehlen: Die großen fränkischen Kellereien wie das Würzburger Juliusspital, die Castellschen Weingüter oder die heute kaum noch bekannte Anbautradition der Benediktiner von Münsterschwarzach finden sich breit gewürdigt. Dem Band ist hohe Aufmerksamkeit zu wünschen, erschließt er doch facettenreiche Wege durch eine der bedeutendsten Weinlandschaften Europas. Prof. Dr. Rainald Becker, Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München

„Die Lektüre kommt gerade richtig für ein gemütliches Wochenende, das, wie fast immer in diesen Zeiten, zuhause zu verbringen ist …. Schon beim ersten Durchblättern werden die Neugier auf ein genüssliches Lesen und auch die Erinnerung an schöne Stunden mit fränkischem Wein geweckt. Und ich lerne: was das Zisterzienserkloster Eberbach für die Hessen, ist Ebrach für Franken“.

Dr. Carola Fey, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

„Schon der Titel macht neugierig: „Bachus küsst Franken“. Sabine Wüst schlägt den Bogen von den Weingöttern zu unserem bekömmlichen fränkischen Bachus. Eine Auswahl an interessanten, historischen und aktuellen Bildern regt zum Blättern an. Eine Reise in die Geschichte des Weines wird abgeschlossen – für mich als Höhepunkt- mit historischen „50 Tipps für Weinpanscher“, sehr gelungen!“

Dr. Manfred Scholz, Abgeordneter a.D., Nürnberg

Die FAG Broschüre „Bacchus küsst Franken“ verbindet in vergnüglicher Weise die Geschichte des fränkischen Weinbaus mit der Gegenwart. Die wohl fundierten und reich bebilderten Beiträge zeichnen ein facettenreiches Bild der wirtschaftlichen, politischen, aber auch der genussreichen Dimensionen des Rebensaftes, insbesondere seine Bedeutung für die Klosterwirtschaft Münsterschwarzachs und St. Michaels in Bamberg. Die europäische Dimension des Handels mit fränkischem Wein, besonders über Nürnberg, wird ebenso deutlich gemacht wie auch die Verbundenheit des Weins mit antiken Göttern und mittelalterlichen Heiligen. Vergnüglich – und nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen – sind die zahlreichen „Tipps“ zur Verbesserung des Weingeschmacks: für Weinpuristen ein Graus, für Andere der ‚Himmel‘ des Genusses!

Prof. Dr. Helmut Flachenecker, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Ich habe auch sogleich ein bisschen darin gestöbert. Das fiel mir auch nicht schwer, weil die Beiträge interessant, ja teilweise richtig spannend aber vor allem auch animierend geschrieben sind. Beim Studium des Büchleins sind mir viele bekannte Namen von Historikern oder Fachkollegenen begegnet, und so war es auch ein kleines Wiedersehen mit so manchem Wegbegleiter. Auch Dr. Markus Frankl, seines Zeichens Historiker und der Team-Chef im Weineck Juliusspital (unsere Vinothek) hier in der Koellikerstraße war darunter. Ihm habe ich gleich ein Exemplar geschenkt. Stehen geblieben bin ich beim Kapitel der „Weinpanscher oder Geheimnisse aus der Kellermeisterey.“ – Alles zu gruselig und unvorstellbar! Einfach grausam! – Das Thema habe ich dann ganz einfach mal weggelassen. STIFTUNG JULIUSSPITAL WÜRZBURG, Geschäftsbereichsleiter Landwirtschaft, Weingut und Forstbetrieb, Horst Kolesch